„Nicht die Glücklichen sind dankbar,
es sind die Dankbaren, die glücklich sind.“
(Francis Bacon)
[Denn]…wer sich über das freut was er hat,
hat keine Zeit mehr, über das zu klagen, was er nicht hat.
(Ernst Ferstl)
Danken ist (schliesslich) eine Liebeserklärung
an das Leben.
(Irina Rauthmann)
Dankbarkeit ist eine Herzensqualtiät, die nichts als Selbstverständlich erachtet. Darauf möchten auch die oben zu einem kleinen Gedicht zusammengefassten Zitate hinweisen. In einer Haltung der Dankbarkeit, findet sich der Reichtum im Kleinen. Sie baut auf der Einstellung von „ich hab genug“ auf, anstelle jener von, „ich habe nicht genug“. Die Dankbarkeit lenkt den Blick also vom Mangel weg, hin zur Fülle. Sie ist der Schlüssel zu mehr innerer Zufriedenheit und Ruhe. Oder aber in den Worten des deutschen Benediktinerpaters Anselm Grün: „Dankbarkeit gibt dem Leben Leichtigkeit und Humor, Gelassenheit und Freiheit.“
Mitunter wie von selbst, beschäftigt sich der mentale Geist oft und scheinbar gerne mit jenen Aspekten, die man gerade nicht besitzt. Eine solche Gesinnung kann sich sehr abträglich auf das eigene Wohlergehen auswirken, denn sie nährt Emotionen wie Gier und Missgunst und findet zuweilen in einer inneren Getriebenheit und einer tiefgreifenden Unzufriedenheit Ausdruck. Es bedarf allerdings keines grossen Aufwands, einer solchen Entwicklung gegenzusteuern. Es reicht schon, aktiv „Dankbarkeit“ zu praktizieren. Ein leises, inneres Dankschön zum Beispiel, für all das, was der Tag bereithält. Ein Danke für den Kaffee am Morgen oder dafür, dass man nicht verschlafen hat; für die stressfreie Hinreise zur Arbeit oder dafür, dass man es geschafft hat, die Steuererklärung auszufüllen; für eine Idee oder das Finden einer Lösung; für all die Begegnungen während des Tages oder auch für die Musik, die da gerade erklingt; für das Mittagessen, den Krug voll Wasser oder für den stillen Moment der Sehnsucht, die da bei einer Tasse Tee das Herz berührt. Selbst gegenüber einem herausfordernden Augenblick verschliesst sich ein dankbares Herz nicht, denn dieser könnte ja dem persönlichen Wachstum zudienen.
Dankbarkeit öffnet das empfängliche Herz für die Mitfreude am Glück und Wohl anderer Menschen. Aus diesem sich Mitfreuen und aus dem Wunsch heraus, dass doch alle Menschen/ dass alle empfindsamen Wesen glücklich sein mögen, kann sich die Qualität der Grosszügigkeit entfalten. Wahre Grosszügigkeit handelt stets aus sich selbst heraus und findet sowohl nach innen wie auch nach aussen gerichtet, auf immaterieller wie auch materieller Ebene zu ihrem Ausdruck. Sie hegt keinerlei Erwartungen und verlangt weder eine Gegenleistung, noch sucht sie Anerkennung. Sie weiss um den Zauber der wechselseitigen Verbundenheit von Gebenden und Empfangenden, welche durch die folgenden Worten von Conrad Ferdinand Meyer in eine so passende Form fanden:
Der römische Brunnen
C.F. Meyer (1882)
Aufsteigt der Strahl
und fallend giesst er voll der Marmorschale Rund,
die, sich verschleiernd, überfliesst
in einer zweiten Schale Grund,
die zweite gibt, sie wird zu reich,
der dritten wallend ihre Flut,
und jede gibt und nimmt zugleich
und strömt und ruht.